Kräuter & Pflanzen

Un­kraut oder Bei­kraut?

Wie nennt man die oft unerwünschten Pflanzen?

Sarah Christiansen
20 Aug., 2026

Wer kennt das nicht? Man hat eine Reihe Radieschen gesät oder einen schönen Rasen angelegt und plötzlich wuchern diverse andere Pflänzchen, die wir dort nicht haben wollen. Vögel, der Wind oder andere Faktoren haben sie hergebracht und nun wollen sie sich bei uns ausbreiten. Die meisten kennen diese unerwünschten Pflanzen unter der Bezeichnung „Unkraut“, in den letzten Jahren haben sich allerdings einige andere Namen etabliert, wie „Beikraut“, „Wildkraut“, „Begleitkraut“ oder gar „Begleitvegetation“.

Wie also soll man die „unerwünschten“ Pflanzen nennen?

Zeit, sich den Begriff „Unkraut“ einmal genauer anzuschauen: Der Duden definiert „Unkraut“ zunächst einmal recht wertneutral als „Gesamtheit von Pflanzen, die zwischen angebauten Pflanzen wild wachsen [und deren Entwicklung behindern]“. Wenn man sich den Begriff allerdings sprachlich einmal betrachtet, erkennt man, dass er tatsächlich gar nicht so neutral ist.

So wird die Vorsilbe „un“ oftmals abwertend und negativ eingesetzt, z. B. bei den Substantiven Unwetter, Unglück, Unding, Unsinn usw. Durch das „un“ wird dem Unkraut fast schon abgesprochen, ein richtiges Kraut bzw. eine richtige Pflanze zu sein.

Auch der (sprachliche) Umgang mit dem Unkraut ist sehr martialisch: Unkraut wird „vernichtet“, „bekämpft“, „ausgerissen“. Dabei kommen die unterschiedlichsten Waffen zum Einsatz: Es wird zu kochendem Wasser oder sogar dem Flammenwerfer gegriffen. Wer es eher chemisch mag, der setzt auf Herbizide, also Unkrautbekämpfungsmittel. Herbizid leitet sich dabei übrigens von den lateinischen Begriffen „herba“ (= Kraut) und „caedere“ (= töten) ab.

Unkraut wird also als Feind wahrgenommen, den es zu besiegen gilt. Doch ist es das wirklich?

Vogelhaus mit Beikraut

Nützlich und schön

Viele der als Unkraut bezeichneten Pflanzen haben bei genauerer Betrachtung tolle Eigenschaften. Ich habe an dieser Stelle einige aufgelistet:

Wertvoll für den Garten

Viele dieser Pflanzen sind sogenannte Zeigerpflanzen, an denen man erkennt, welche Eigenschaften der Boden hat. So ist die bei Gärtnern oft unbeliebte Vogelmiere ein Indikator für eine gute Stickstoffversorgung. Eine weitere tolle Eigenschaft der Pflanze ist, dass sie den Boden vor Austrocknung und Erosion schützt.

Zudem tragen viele Kräuter zur Bodenverbesserung bei. Löwenzahn etwa lockert mit seinen langen Wurzeln den Boden und sorgt für eine gute Belüftung. Sogenannte Leguminosen (Hülsenfrüchtler) wie z. B. Weißklee verbessern die Stickstoffversorgung.

Sollten es doch zu viele Pflanzen werden, lassen sie sich auch schneiden und als Mulch, Gründüngung oder Jauche verwenden. Manche Pflanzen, wie etwa Frauenmantel, gelten darüber hinaus als besonders schneckenresistent. 

Gesund und lecker

Oftmals handelt es sich bei den verschmähten Pflanzen um essbares Wildgemüse. Darüber kann man sich nicht nur mit Vitaminen und Nährstoffen versorgen, sondern bereichert mit diesen Kräutern zudem seine Küche um ein paar schmackhafte Zutaten. Wussten Sie z. B., dass die Knoblauchsrauke ein angenehm leichtes Knoblaucharoma hat und sich toll zu Pesto verarbeiten lässt oder einem Kräuterquark eine besondere Note verleiht? Gundermann schmeckt derweil würzig, beinahe etwas scharf, und passt perfekt zu Kartoffeln oder in ein Kräutersalz. Auch der ausbreitungswütige Giersch, der ein bisschen als der König des Unkrauts gilt, lässt sich toll verarbeiten, etwa zu Gierschspinat oder im Salat. Außerdem kann man die verschiedenen Wildkräuter, die man so in seinem Garten findet, gut für einen selbstgemischten Kräutertee verwenden.

Viele Pflanzen sind zudem wichtige Heilkräuter, die gegen unterschiedlichste Wehwehchen zum Einsatz kommen können.

Wichtig für das Ökosystem

Nicht nur wir Menschen profitieren von den sogenannten „Unkräutern“, sie sind auch für andere Lebewesen in unserer Umwelt (überlebens)wichtig. So freuen sich Vögel und kleine Nagetiere über den Samen, den einige der Pflanzen produzieren. Derweil ernähren sich Insekten von Nektar und Pollen in ihren Blüten. Beispielsweise zieht das Klettenlabkraut unterschiedliche Insektenarten, darunter mehrere Käfer und Schmetterlinge, an. Insekten wiederum erfüllen einige wichtige Aufgaben in der Natur: Sie spielen nicht nur eine zentrale Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen, sondern sind auch selbst eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele verschiedene Wildtierarten.

Tipp:

Wer seinen Garten zu einem Insektenparadies machen möchte, der setzt am besten auf einheimische Pflanzen. In den Artikeln Die schönsten Frühblüher und Die schönsten Spätblüher finden Sie eine Reihe von Pflanzen, die Insekten lieben.

Eine Zierde für den Garten

Nicht zuletzt sind unsere heimischen Wildpflanzen oftmals viel schöner als die im Baumarkt gekauften Zierpflanzen. Die bezaubernde Kornblume etwa verschönert jeden Garten, gilt aber auch heute noch bei vielen Landwirten als Ackerunkraut und wird vehement bekämpft. Manche Pflanzen sind dagegen eher filigrane Schönheiten, deren Anmut sich erst auf den zweiten Blick zeigt, hierzu zählen etwa Hirtentäschel oder Große Sternmiere.

Vorreiter:

Im Bioweinbau hat man die Vorteile von „Unkräutern“ längst erkannt und lässt sie deshalb oftmals stehen. Dank der daraus entstehenden Artenvielfalt werden u. a. Nützlinge angezogen, die sich von den Pflanzen ernähren. Neben zahlreichen anderen positiven Aspekten wird u. a. die Nährstoffversorgung des Weinbergsbodens verbessert und der Schutz vor Bodenerosion erhöht.

Nicht mehr „Unkraut“, sondern „Beikraut“

Die Pflanzen, die man Unkraut nennt, sind also oftmals sehr bezaubernde und interessante Kräuter, die man idealerweise stehen lassen oder in den Garten integrieren sollte. Sie sind kein Feind, den es auszurotten gilt, sondern vielfach verkannte Kräuterfreunde, die (aus Gärtnersicht) einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewachsen sind. Um dieses Umdenken auch sprachlich zu begleiten, sollte man den negativen Begriff „Unkraut“ endlich durch einen positiveren Begriff ersetzen. Ich bevorzuge dabei „Beikraut“, aber auch „Wildkraut“ oder andere Bezeichnungen sind passend.

Am 28. März ist übrigens Tag des Beikrauts, darauf einen Wildkräutersmoothie!

Weiteres zum Thema Beikräuter finden Sie in den Artikeln Vorteile von Unkraut im Rasen und No Mow May.

Ackerwinde
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Für Schäden durch den Gebrauch der hier aufgeführten Kräuter und deren Anwendung übernimmt der Herausgeber dieser Website keinerlei Haftung! Der Besuch dieser Website ersetzt zudem nicht den Besuch beim Arzt. Suchen Sie diesen bei Beschwerden stets auf. Ziehen Sie Ihren Arzt zudem vor einer geplanten Kräuter-Therapie, bei Fragen zu Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten stets zu Rate. Auch in einer Apotheke kann man Sie zu diesen Themen beraten.

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