Kräuter & Pflanzen

Kletten­lab­kraut

Galium aparine

Sarah Christiansen
15 Mai, 2026
Oftmals entdecke ich Pflanzen neu, die ich zwar immer wahrgenommen, mit denen ich mich aber nie weiter beschäftigt habe. Dazu zählt das Klettenlabkraut, das auch Klebkraut genannt wird. Bisher war es für mich einfach nur eine Pflanze, die sich penetrant an mein Bein klebte, wenn ich durch die Wiese stapfte, bzw. deren kugelige Samenfrüchte ich zu Hauf aus Katzenfell klauben musste.
Durch Zufall erfuhr ich dann aber den Namen des anhänglichen Kräutleins und entdeckte, was für eine unglaublich spannende Pflanze das Klettenlabkraut eigentlich ist. Meine neuen Erkenntnisse möchte ich in diesem Artikel mit Ihnen teilen.

Wo wächst das Klettenlabkraut?

Das Klettenlabkraut mag es sonnig oder halbschattig. Außerdem bevorzugt es nährstoffreiche, durchlässige und leicht feuchte Böden und ist ein Stickstoffzeiger, ähnlich wie z. B. die Wilde Malve. Man findet das Klettenlabkraut in Gärten, an Wald- oder Wegrändern, auf Feldern und brachliegenden Flächen oder Wiesen.

Klettenlabkraut vor Gitter

Wie sieht Klettenlabkraut aus bzw. was klebt denn da?

Die Pflanze ist ein sogenannter „Spreizklimmer“, das heißt, sie klettert an anderen Pflanzen oder Rankhilfen empor – in unserem Garten wächst sie z. B. unter anderem an einem Zaun. Sie nutzt dafür ihre Zweige sowie kleine Stacheln und „klebt“ sich damit fest. Auf diese Weise kann sie eine Wuchshöhe von bis zu zwei Metern erreichen. Bei uns hat sich das Klettenlabkraut übrigens mit dem Efeu verbündet und beide beranken glücklich einige Ecken des Gartens. Das Kraut blüht von Juni bis Oktober und zählt damit zu den Spätblühern (vgl. Was sind Spätblüher?), die Blüten sind klein, weiß und sternförmig. Derweil sind die Blätter behaart, lanzettlich (spitz zulaufend) und bilden am Stängel einen Quirl, d. h. sie setzen dort gemeinsam an einem Knoten an. Die Blätter können bis zu sechs Zentimeter lang werden. An den kantigen Stängeln sitzen viele kleine Borsten. Aus den Blüten entstehen schließlich die Samen, die in rundlichen Kapseln sitzen. Diese verbreiten sich, indem sie sich – man ahnt es bereits – an Kleidung und Tierfell kletten.
Das Klettenlabkraut gehört übrigens zur Gattung der Labkräuter innerhalb der großen Familie der Rötegewächse und ist dadurch auch mit dem Waldmeister verwandt.

Klettenlabkraut in der Küche

Eine Pflanze, die so laut „Nimm mich mit!“ brüllt, indem sie sich ungefragt an fremde Kleidung hängt, muss sich nicht wundern, wenn sie dann auf dem Teller landet. Tatsächlich schmecken die jungen Triebe des Klettenlabkrauts leicht nussig und sind eine leckere Zutat im Wildgemüse, in Suppen, Gemüsepfannen oder Aufläufen. Durch das Dünsten werden dabei die sonst störenden Härchen auf den Blättern weich. Mit den Blüten kann man zudem wunderbar Süßspeisen dekorieren. Auch roh im Smoothie lassen sich Blätter und Blüten gut verwenden. Früher wurde aus den Samen zudem Kaffee hergestellt. Nicht zuletzt im selbstgemischten Kräutertee kann man das Kraut verwenden.

Käse aus Kräutern

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum Labkräuter eigentlich so heißen? Der Name kommt daher, dass sie ein besonderes Enzym enthalten, das bei der Käseherstellung verwendet wird: das Lab. Früher wurden die Labkräuter nämlich statt des heute üblichen Labs aus Kälbermägen benutzt.

Auch mit dem Klettenlabkraut lässt sich heute noch Frischkäse ganz einfach selbst herstellen. Mit etwas mehr Mühe soll sich auch „richtiger“ Käse erzeugen lassen. Dies ist besonders interessant für alle vegetarisch lebenden Menschen, die oftmals auf Käse verzichten müssen, weil dieser mit tierischem Lab versetzt ist.

Klettenlabkraut als Heilkraut

Das Klettenlabkraut ist eine althergebrachte Heilpflanze: Archäologen fanden große Mengen der Pflanze in jungsteinzeitlichen Siedlungen. Dies lässt darauf schließen, dass das Kraut von den Menschen dort verwendet wurde. Auch der römische Gelehrte Plinius empfahl es u. a. bei Ohrenschmerzen. Heute soll es z. B. äußerlich bei Hautproblemen und innerlich bei Harnwegserkrankungen helfen. Außerdem soll das Klettenlabkraut das Lymphgefäßsystem anregen und beim Abnehmen helfen. Es soll blutreinigend, fiebersenkend und harntreibend wirken.

Wichtig für Mensch und Insekt

Wenn man „Klettenlabkraut“ in die Suchmaschine eingibt, findet man leider sehr oft auch die Aussage, dass es sich um ein Unkraut handelt bzw. Hinweise, wie man es erfolgreich bekämpft. Zum einen finde ich den Begriff „Unkraut“ immer etwas schwierig und spreche lieber von „Beikräutern“ (Vgl. hierzu den Artikel Unkraut oder Beikraut?). Zum anderen hat das Klettenlabkraut – wie so viele andere Beikräuter auch – einen großen ökologischen Nutzen. Denn viele unterschiedliche Insektenarten, darunter einige Käfer und Schmetterlinge, ernähren sich von der Pflanze. Wenn Sie das Klettenlabkraut also im eigenen Garten entdecken, nutzen Sie es gern für sich selbst, lassen Sie aber vielleicht auch ein bisschen davon für die Insektenwelt stehen.

Einzelne Klettenlabkraut-Pflanze
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Für Schäden durch den Gebrauch der hier aufgeführten Kräuter und deren Anwendung übernimmt der Herausgeber dieser Website keinerlei Haftung! Der Besuch dieser Website ersetzt zudem nicht den Besuch beim Arzt. Suchen Sie diesen bei Beschwerden stets auf. Ziehen Sie Ihren Arzt zudem vor einer geplanten Kräuter-Therapie, bei Fragen zu Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten stets zu Rate. Auch in einer Apotheke kann man Sie zu diesen Themen beraten.

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