Vogelmiere
Stellaria media
Nachdem ich begeistert bemerkt hatte, dass sich in unserem Vorgarten eine kleine Vogelmiere-Kolonie angesiedelt hatte, wusste ich, dass es Zeit war, auch dieser bezaubernden kleinen Pflanze einen Artikel zu widmen. Bei meiner Recherche zur Vogelmiere musste ich allerdings entsetzt feststellen, dass sie häufig als Unkraut angesehen und sogar bekämpft wird (vgl. hierzu den Artikel Unkraut oder Beikraut?). Warum dies nicht notwendig ist, sondern sie sogar dem Garten nützt, und welche weiteren tollen Eigenschaften das Pflänzchen hat, erfahren Sie in diesem Artikel.
Wo wächst Vogelmiere und wie sieht sie aus?
Vogelmiere mag stickstoffreiche und feuchte Böden. Besonders gern breitet sie sich in brachliegender Erde bzw. frisch angelegten Beeten aus – was ihr einige Gärtner übelnehmen. Dabei ist es eigentlich ein gutes Zeichen, wenn sie dort wächst, denn sie ist eine Zeigerpflanze für nährstoffreichen Boden. Außerdem schützt die Vogelmiere den Boden vor dem Austrocknen und vor Erosion (Abtragen des Bodens durch Wasser oder Wind) mithilfe der dicken Teppiche, die sie bildet. Außer im Garten findet man sie auch an Wegrändern, auf Schuttplätzen und Wiesen.
Für eine eindeutige Bestimmung bringt die Vogelmiere dankenswerterweise einige charakteristische Merkmale mit: Die Pflanze kann bis zu 40 cm hoch werden. An den dünnen Stängeln befindet sich eine Reihe aus Härchen, die Haarlinie. Die sternförmigen, weißen Blüten sind sehr filigran und erscheinen ab März (vgl. Was sind Frühblüher?). Sie können aber das ganze Jahr über vorkommen. Die Blätter haben eine ovale bis spitze Form und werden bis zu 3 cm groß. Es besteht eine Verwechslungsgefahr mit dem schwach giftigen Acker-Gauchheil, dieser blüht allerdings orange statt weiß und hat zudem keine Haarlinie. Wie bei allen Pflanzen gilt trotzdem: Nur sammeln, wenn Sie die Pflanze sicher erkennen, und im Zweifelsfall stehen lassen.
Vogelmiere in der Küche
Vogelmiere schmeckt angenehm frisch und mild, der Geschmack erinnert etwas an jungen Mais.
Entsprechend lässt sich aus dem Pflänzchen so einiges Leckeres zaubern. Es eignet sich beispielsweise perfekt für einen Salat, in Kräuterbutter oder -quark bzw. im Smoothie.
Auch als Spinat, Pesto oder in der Suppe macht es eine gute Figur. Darüber hinaus ist die Vogelmiere in einem selbstgemischten Kräutertee eine wertvolle Zutat. Aber das ist noch längst nicht alles: Als ich die Vogelmiere für mich entdeckt habe, habe ich sie mehr oder weniger überall mit hineingetan und festgestellt, dass sie beispielsweise auch toll zu Kartoffel- und Reisgerichten passt.
Vogelmiere ist zudem, ähnlich wie Scharbockskraut, reich an Vitamin C und enthält zusätzlich eine ordentliche Portion Eisen und Kalium. Allerdings sollte man das Kraut nicht in zu großen Mengen essen, denn die enthaltenen Saponine können den Magen reizen.
Big in Japan
Am 7. Januar feiern die Japaner traditionell Nanakusa (Fest der Sieben Kräuter). Es ist eines der fünf Sekku. Diese Jahreszeitenfeste zelebrieren den Übergang von einer Jahreszeit in die nächste. Am Tag von Nanakusa wird ein Reisbrei mit sieben Kräutern zubereitet, zu denen neben Hirtentäschel auch Vogelmiere zählt.
Vogelmiere als Heilkraut
In der Naturheilkunde ist die Vogelmiere keine Unbekannte. So soll sie u. a. bei Rheuma und Gelenkschmerzen helfen. Außerdem wurde sie früher äußerlich bei Wunden und Hauterkrankungen verwendet. Auch bei Husten und Atemwegsinfekten soll die Pflanze eingesetzt werden können, da sie schleimlösende Saponine enthält (s. o.). Nicht zuletzt soll Vogelmiere den Stoffwechsel anregen.
Vogelmiere und das Federvieh
Wie der Name bereits erahnen lässt, hat die Vogelmiere besonders treue Fans in der Vogelwelt. Egal, ob Huhn oder Gartenvogel – alle lieben das leckere Kraut und sogar Papageien oder Wellensittiche freuen sich über etwas Vogelmiere aus dem Garten. Da insbesondere die Hühner es gerne fressen, wird die Pflanze auch „Hühnerdarm“ oder „Hühnerscherbe“ genannt. Im Englischen heißt die Pflanze ebenfalls „chickweed“ (Hühnerkraut). Aber nicht nur das Federvieh, sondern auch Kaninchen und Meerschweinchen lassen sich Vogelmiere schmecken.
Disclaimer
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