Klettenlabkraut
Galium aparine
Durch Zufall erfuhr ich dann aber den Namen des anhänglichen Kräutleins und entdeckte, was für eine unglaublich spannende Pflanze das Klettenlabkraut eigentlich ist. Meine neuen Erkenntnisse möchte ich in diesem Artikel mit Ihnen teilen.
Wo wächst das Klettenlabkraut?
Das Klettenlabkraut mag es sonnig oder halbschattig. Außerdem bevorzugt es nährstoffreiche, durchlässige und leicht feuchte Böden und ist ein Stickstoffzeiger, ähnlich wie z. B. die Wilde Malve. Man findet das Klettenlabkraut in Gärten, an Wald- oder Wegrändern, auf Feldern und brachliegenden Flächen oder Wiesen.
Wie sieht Klettenlabkraut aus bzw. was klebt denn da?
Die Pflanze ist ein sogenannter „Spreizklimmer“, das heißt, sie klettert an anderen Pflanzen oder Rankhilfen empor – in unserem Garten wächst sie z. B. unter anderem an einem Zaun. Sie nutzt dafür ihre Zweige sowie kleine Stacheln und „klebt“ sich damit fest. Auf diese Weise kann sie eine Wuchshöhe von bis zu zwei Metern erreichen. Bei uns hat sich das Klettenlabkraut übrigens mit dem Efeu verbündet und beide beranken glücklich einige Ecken des Gartens. Das Kraut blüht von Juni bis Oktober und zählt damit zu den Spätblühern (vgl. Was sind Spätblüher?), die Blüten sind klein, weiß und sternförmig. Derweil sind die Blätter behaart, lanzettlich (spitz zulaufend) und bilden am Stängel einen Quirl, d. h. sie setzen dort gemeinsam an einem Knoten an. Die Blätter können bis zu sechs Zentimeter lang werden. An den kantigen Stängeln sitzen viele kleine Borsten. Aus den Blüten entstehen schließlich die Samen, die in rundlichen Kapseln sitzen. Diese verbreiten sich, indem sie sich – man ahnt es bereits – an Kleidung und Tierfell kletten.
Das Klettenlabkraut gehört übrigens zur Gattung der Labkräuter innerhalb der großen Familie der Rötegewächse und ist dadurch auch mit dem Waldmeister verwandt.
Klettenlabkraut in der Küche
Eine Pflanze, die so laut „Nimm mich mit!“ brüllt, indem sie sich ungefragt an fremde Kleidung hängt, muss sich nicht wundern, wenn sie dann auf dem Teller landet. Tatsächlich schmecken die jungen Triebe des Klettenlabkrauts leicht nussig und sind eine leckere Zutat im Wildgemüse, in Suppen, Gemüsepfannen oder Aufläufen. Durch das Dünsten werden dabei die sonst störenden Härchen auf den Blättern weich. Mit den Blüten kann man zudem wunderbar Süßspeisen dekorieren. Auch roh im Smoothie lassen sich Blätter und Blüten gut verwenden. Früher wurde aus den Samen zudem Kaffee hergestellt. Nicht zuletzt im selbstgemischten Kräutertee kann man das Kraut verwenden.
Käse aus Kräutern
Haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum Labkräuter eigentlich so heißen? Der Name kommt daher, dass sie ein besonderes Enzym enthalten, das bei der Käseherstellung verwendet wird: das Lab. Früher wurden die Labkräuter nämlich statt des heute üblichen Labs aus Kälbermägen benutzt.
Auch mit dem Klettenlabkraut lässt sich heute noch Frischkäse ganz einfach selbst herstellen. Mit etwas mehr Mühe soll sich auch „richtiger“ Käse erzeugen lassen. Dies ist besonders interessant für alle vegetarisch lebenden Menschen, die oftmals auf Käse verzichten müssen, weil dieser mit tierischem Lab versetzt ist.
Klettenlabkraut als Heilkraut
Das Klettenlabkraut ist eine althergebrachte Heilpflanze: Archäologen fanden große Mengen der Pflanze in jungsteinzeitlichen Siedlungen. Dies lässt darauf schließen, dass das Kraut von den Menschen dort verwendet wurde. Auch der römische Gelehrte Plinius empfahl es u. a. bei Ohrenschmerzen. Heute soll es z. B. äußerlich bei Hautproblemen und innerlich bei Harnwegserkrankungen helfen. Außerdem soll das Klettenlabkraut das Lymphgefäßsystem anregen und beim Abnehmen helfen. Es soll blutreinigend, fiebersenkend und harntreibend wirken.
Wichtig für Mensch und Insekt
Wenn man „Klettenlabkraut“ in die Suchmaschine eingibt, findet man leider sehr oft auch die Aussage, dass es sich um ein Unkraut handelt bzw. Hinweise, wie man es erfolgreich bekämpft. Zum einen finde ich den Begriff „Unkraut“ immer etwas schwierig und spreche lieber von „Beikräutern“ (Vgl. hierzu den Artikel Unkraut oder Beikraut?). Zum anderen hat das Klettenlabkraut – wie so viele andere Beikräuter auch – einen großen ökologischen Nutzen. Denn viele unterschiedliche Insektenarten, darunter einige Käfer und Schmetterlinge, ernähren sich von der Pflanze. Wenn Sie das Klettenlabkraut also im eigenen Garten entdecken, nutzen Sie es gern für sich selbst, lassen Sie aber vielleicht auch ein bisschen davon für die Insektenwelt stehen.
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