Nerdthemen

Was ist Pen-and-Paper-Rollenspiel?

Und wie funktioniert das eigentlich?

Sarah Christiansen
16 Dez., 2025

Da ich dieses Hobby bereits öfter erklären musste, ist es höchste Zeit, hierzu einen Blogartikel zu schreiben.

 

Auf ins Abenteuer!

Pen and Paper ist auch bekannt unter dem englischen Begriff Tabletop RPG. Vereinfacht gesagt sitzt man dabei zusammen um einen Tisch herum und erlebt bzw. erzählt gemeinsam eine Geschichte (oftmals untermalt von knisternden Chipstüten ;)). Es gibt einen sogenannten Spielleiter (manchmal auch Meister genannt), der die Geschichte vorbereitet hat und die Spieler hindurchführt. Alle anderen am Tisch sind die Spieler bzw. die Hauptcharaktere der Geschichte. Mit ihren Entscheidungen und Handlungen (sowie ihrem Würfelglück) nehmen sie Einfluss auf die Geschichte, deren Verlauf sie aber vorher nicht kennen. Menschen, die so etwas gern in ihrer Freizeit machen, nennt man auch Rollenspieler.

Online statt offline

Viele Rollenspielrunden treffen sich mittlerweile auch online zum Spielen. Dafür stehen viele unterschiedliche Tools und Möglichkeiten zur Verfügung. Das ist sehr praktisch, vor allem, wenn nicht alle Mitspieler am selben Ort wohnen. Die obligatorische Chipstüte steht dann neben dem heimischen Bildschirm.

Was ein Abenteurer braucht

Um spielen zu können, benötigen die Spieler lediglich Pen and Paper, also Stift und Papier, sowie ein paar Würfel.

Die Würfel
Häufig benutzt man beim Pen and Paper Würfel, die mehr als sechs Seiten (W6) haben, etwa mit 8 (W8), 10 (W10), 12 (W12) oder 20 Seiten (W20). Es gibt Würfel in vielen unterschiedlichen Designs mit fancy klingenden Namen, wie Swordmaster oder Blue Lightning. Denn viele Rollenspieler kaufen sehr gerne Würfel und verfügen über eine große Sammlung. Falls Sie also einen Rollenspieler glücklich machen wollen, fragen Sie ihn mal nach seiner Würfel-Kollektion.

Der Charakterbogen (auch Character Sheet)
Jeder Spieler hat einen Charakterbogen. Hier stehen alle wichtigen Informationen zu dem Charakter, den er oder sie spielt. Dazu gehören u. a. Name, Klasse (z. B. Magier, Dieb oder Paladin), Rasse (z. B. Zwerg oder Elf), Werte (wie Lebenspunkte, Stärke oder Intelligenz), Fähigkeiten und Ausrüstung. Manche Spieler verzieren den Bogen sogar mit einem selbstgemalten Bild. Da die Erstellung eines Charakters, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann, oftmals länger dauert, werden immer häufiger digitale Charakterbögen und Charaktergeneratoren verwendet.

Das Regelwerk
Dem jeweiligen Rollenspielsystem, das man spielt, liegt fast immer ein mehr oder weniger umfangreiches Regelwerk zugrunde. An diesem orientiert sich die Gruppe. Wobei es manchmal zu teilweise hitzigen Diskussionen über die Auslegung des Regelwerks kommen kann. Letztlich ist der Spielleiter der „Schiedsrichter“, der im Zweifelsfall über alle Detailfragen zur Spielwelt entscheiden kann. Ein Beispiel für eine Spielregel wäre, wie man prüft, ob der eigene Spielcharakter stark genug ist, um etwas Schweres anzuheben. Dazu wird ein Würfelwurf verlangt, dessen Ergebnis mit dem Stärke-Wert des Charakters verglichen wird, um zu entscheiden, ob dieser Versuch erfolgreich war.

Spielleiterschirm
Viele Spielleiter nutzen einen sogenannten Schirm, das ist eine kleine Trennwand, die sie vor sich auf den Tisch stellen. Dahinter verbergen sie z. B. Notizen oder würfeln heimlich, denn manchmal dürfen die Spieler das Ergebnis nicht sehen, bspw. wenn ihre Charaktere nicht wissen dürfen, dass sich ein verborgener Gegner an sie heranschleicht. Außerdem können auf der Schirmrückseite Tabellen oder Spielregeln angebracht werden, die der Spielleiter so immer im Blick behält.

Der Sprung in den Mainstream

Pen and Paper fand früher meist eher „im Verborgenen“ statt. Doch heute ist es dank Serien wie „Stranger Things“ oder „The Big Bang Theory“ einem breiteren Publikum geläufig. In beiden Serien spielen die Protagonisten regelmäßig D&D (s. unten).

RPG-Regelwerke

Abenteuerwelten

Wer sich einmal mit Pen and Paper beschäftigt, stellt schnell fest, dass eine extrem große Auswahl an Systemen, Settings und Genres vorhanden ist. Das beliebteste Genre ist Mittelalter-Fantasy, aber auch Superhelden, Science Fiction (SciFi) bzw. Cyberpunk und Mystery oder Horror werden gerne gespielt. Es gibt dabei fast nichts, was es nicht gibt: Der Spieler kann in Steampunk- oder Wildwestwelten eintauchen und Piraten, Detektive oder sogar Plüschtiere spielen.

Bekannte Systeme

„Dungeons & Dragons“ (D&D) ist ein klassisches Fantasy-Rollenspiel. Es gilt als das älteste Pen-and-Paper-Rollenspiel und ist auch heute noch mit Abstand das bekannteste. Die Spieler sind hier meist in einer Abenteuergruppe unterwegs und erfüllen Aufträge, bekämpfen Monster oder lösen Rätsel. Sie können dabei z. B. Hexenmeister, Kleriker oder Schurken spielen, die wiederum u. a. Menschen, Halborks oder Gnome sein können. Über die Jahre ist eine große Anzahl von D&D-Computerspielen, Büchern und einige Verfilmungen entstanden.

„Das Schwarze Auge“ (DSA) wurde 1984 in Deutschland erfunden. Die Spieler toben sich auch hier in einer Fantasy-Welt aus, deren Hauptkontinente „Aventurien“ und „Myranor“ heißen. Sie können z. B. Geweihte (so etwas wie Priester), Druiden oder Krieger spielen und u. a. aus den Spezies Achaz (Echsenwesen), Elf, Mensch und Goblin wählen. Es gibt unzählige DSA-Romane, diverse Computerspiele und sogar einige Gesellschaftsspiele.

„Shadowrun“ ist ein Cyberpunk-Spiel mit Fantasy-Elementen, d. h. es gibt Magie und typische Fantasy-Wesen wie Drachen oder Zwerge. Es spielt in einer (düsteren) Zukunft, in der Konzerne eine in weiten Teilen zerstörte Welt beherrschen. Während eine kleine elitäre Oberschicht im Luxus schwelgt, leben große Teile der Bevölkerung in bitterer Armut. Spieler erfüllen meist als „Shadowrunner“ die Drecksarbeit für die Konzerne. Ich bin ein großer Shadowrun-Fan und finde besonders die Spielwelt sehr spannend. Shadowrun wurde in den 80er-Jahren erfunden und das merkt man auch: Es erinnert stark an dystopische Filme aus der Zeit, wie etwa Blade Runner. Außerdem gibt es z. B. in den alten Shadowrun-Versionen noch keine Handys, vermutlich weil die Spieleerfinder in den 80ern nicht darauf gekommen sind, dass es so etwas in der Zukunft geben könnte. Über die Jahre sind neben Computerspielen auch eine ganze Reihe an Romanen entstanden.

„Vampire: The Masquerade“ lässt schon am Titel erahnen, worum es geht: In einer alternativen Gegenwart beherrschen uralte mächtige Vampire im Verborgenen die Welt und liefern sich gnadenlose Machtkämpfe. Die Vampire sind Mitglieder in Clans, die jeweils unterschiedliche Traditionen, Stärken und Schwächen haben. Die Spieler spielen fast immer jüngere Vampire, die versuchen, in der hierarchischen und intriganten Vampir-Gesellschaft ihren Platz zu finden. Auch zu Vampire gibt es einige Romane und sogar diverse LARP-Gruppen, die das Spiel spielen. LARP steht dabei für Live Action Role Playing und bedeutet, dass Spieler die von ihnen gewählten Charaktere live darstellen, inklusive Gewandung (Kostüme). Dafür treffen sie sich mit anderen Spielern meist auf sogenannten Cons, mehrtägigen Veranstaltungen, und erleben gemeinsam Abenteuer.

„Call of Cthulhu (CoC)“ wurde 1981 erstmals veröffentlicht und basiert auf dem Cthu­lhu-My­thos von H. P. Love­craft
(vgl. zu dem Thema auch den Artikel Wie spricht man „Cthu­­lhu“ aus?). Es ist das erste (und erfolgreichste) Horror-Rollenspiel. Die Spieler sind normale Menschen, die mit mystischen und verstörenden Geheimnissen konfrontiert werden und dabei versuchen, nicht dem Wahnsinn anheim zu fallen. Es gibt u. a. zahlreiche Computerspiele und Gesellschaftsspiele, die auf CoC basieren.

„GURPS (Generic Universal Role Playing System)“ ist ein Universal-Rollenspielsystem. Das bedeutet, dass es keinem bestimmten Genre zugeordnet wird, sondern das Regelwerk allgemein gehalten ist. Man kann also ganz verschiedene Settings spielen – von Fantasy bis SciFi und sogar selbst erdachte Welten, alles mit dem gleichen System. Bei „GURPS Zeitreise“ können die Spieler beispielsweise sogar in jedem einzelnen Abenteuer in eine völlig andere Welt eintauchen. Also z. B. erst in der Steinzeit und anschließend in einer postapokalyptischen Zukunft spielen. (GURPS ist das Lieblingssystem meines Mannes, aber das hatte selbstverständlich keinen Einfluss auf meine Entscheidung, es an dieser Stelle zu erwähnen. ;))

Falls dieser Artikel jetzt das Interesse geweckt hat: Es gibt fast in jeder Stadt und auch online Rollenspielgruppen, die sich über neue Mitspieler freuen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Mysteriöses, unheimliches Bild von Cthulhu
Nerdthemen

Der Cthulhu-Mythos

Bunte Sprechblasen
Grammatik | Nerdthemen

Was ist der Eri­ka­tiv?

Schwarzweißaufnahme von H. P. Lovecraft
Nerdthemen

H. P. Lovecraft

Zweite Feder

„Der Unterschied zwischen dem beinahe richtigen Wort und dem richtigen ist derselbe wie zwischen einem Glühwürmchen und einem Blitz“ – Mark Twain